Colocation in Europa – Key Trends im D-A-CH
Der europäische Colocation-Markt hat einen strukturellen Wendepunkt erreicht. Eine außergewöhnlich starke Welle von Implementierungen im Bereich Künstliche Intelligenz, strenge Vorgaben zur Datensouveränität und der konsequente Ausbau nachhaltiger Infrastrukturen lassen die Nachfrage nach externen Rechenzentrumskapazitäten deutlich steigen.
Die traditionellen FLAP-D-Standorte Frankfurt, London, Paris, Amsterdam und Dublin nehmen weiterhin einen großen Teil des Wholesale-Volumens auf. Gleichzeitig richtet sich der Blick zunehmend auf die spezialisierte DACH-Region mit Deutschland, Österreich und der Schweiz.
1. Die High-Density-KI-Revolution erreicht das Zentrum
Der stärkste Trend im europäischen Colocation-Markt ist der massive Zuwachs an Workloads für Künstliche Intelligenz und High Performance Computing. Klassische Unternehmensinfrastrukturen benötigten in der Regel Leistungsdichten von 5 bis 10 kW pro Rack. Moderne Modelle für KI-Training und Inferenz verlangen heute Konfigurationen mit mehr als 50 kW pro Rack.
Diese technische Entwicklung verändert die Planung und den Betrieb von Rechenzentren grundlegend.
Einführung von Liquid Cooling
Luftkühlung stößt zunehmend an ihre physikalischen Grenzen. Anbieter modernisieren bestehende Standorte und konzipieren neue Anlagen mit Direct-to-Chip-Liquid-Cooling oder Immersionskühlung.
Wholesale statt Retail
Große Unternehmen und Hyperscaler mieten zunehmend komplette, dedizierte Leistungsblöcke statt klassischer Retail-Cages, um umfangreiche GPU-Cluster sicher und effizient zu betreiben.
2. Deutschland außerhalb des Frankfurter Netzengpasses
Deutschland bleibt der größte Rechenzentrumsmarkt auf dem europäischen Festland und zieht weiterhin erhebliche Investitionen an. Amazon Web Services hat allein für den Ausbau seiner Infrastruktur in Frankfurt Investitionen in Milliardenhöhe vorgesehen. Dieses starke Wachstum führt zugleich zu lokalen Herausforderungen.
Netzengpässe und begrenzte Stromkapazitäten
Die Netzkapazität in Frankfurt ist stark eingeschränkt. Lange Anschlusszeiten bei Energieversorgern und strenge lokale Bauvorgaben begrenzen die Möglichkeiten, bestehende Standorte kurzfristig auszubauen.
Wachstum sekundärer Standorte
Colocation-Anbieter weichen daher zunehmend auf andere deutsche Regionen aus. Berlin, München, Hamburg und das Rhein-Ruhr-Gebiet entwickeln sich zu starken alternativen Clustern. Diese Standorte bieten Nähe zu Unternehmen, niedrigere Grundstückskosten und häufig einen leichteren Zugang zu regionalen Stromnetzen.
3. Die Schweiz als Standort für Datensouveränität
Der Schweizer Colocation-Markt wächst schnell. Die Umsätze könnten sich zwischen 2024 und 2030 nahezu verdoppeln. Die Schweiz verfügt zwar über keine direkten Unterseekabel-Landepunkte, ist aber über leistungsfähige unterirdische Glasfasertrassen mit Deutschland, Frankreich und Italien verbunden.
Vorteile eines Standorts außerhalb der EU
Europäische Regelwerke wie die Energy Efficiency Directive und GAIA-X stellen hohe Anforderungen an Transparenz und Betrieb von Infrastrukturen innerhalb der EU. Die Schweiz bietet eine stabile Alternative. Das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz orientiert sich in vielen Bereichen an der DSGVO und hält Daten zugleich unter Schweizer Rechtsprechung.
Hohe Auslastung im Premiumsegment
Der Schweizer Colocation-Markt weist eine sehr hohe Auslastung auf. Die durchschnittlichen Belegungsquoten liegen bei mehr als 90 Prozent. Ein großer Teil der Nachfrage kommt aus dem Banken-, Finanz-, Versicherungs- und Pharmasektor. Diese Branchen benötigen besonders sichere Colocation-Flächen in direkter Nähe zu Private-Cloud-Umgebungen.
4. Österreich als Verbindungspunkt nach Mittel- und Osteuropa
Österreich und besonders Wien spielen eine strategische Rolle als stark vernetzter Knotenpunkt. Wien verbindet Westeuropa mit den wachsenden Märkten Mittel- und Osteuropas.
Edge Computing und niedrige Latenzen
Das Wachstum in Österreich wird stark durch Anwendungen mit niedrigen Latenzen und lokale Datenverarbeitung geprägt. Mit dem Ausbau von Industrieautomatisierung, Smart Manufacturing und eigenständigen 5G-Netzen entstehen neue Edge-Umgebungen in österreichischen Colocation-Rechenzentren. Daten können damit näher am Entstehungs- und Nutzungsort verarbeitet werden.
Auswahl des passenden Colocation-Standorts
Bei der Planung einer Hybrid-Cloud- oder IT-Infrastruktur in Mitteleuropa hängt die Wahl des Standorts von den jeweiligen Anforderungen ab.
Schweiz
Die Schweiz eignet sich besonders bei hohen Anforderungen an Datensouveränität außerhalb der EU, Datenschutz, physische Sicherheit und Nähe zu Finanz- oder Pharmaunternehmen.
Deutschland
Deutschland ist eine gute Wahl für große Wholesale- und Hyperscale-Kapazitäten, dichte Peering-Ökosysteme und die Nähe zu industriellen Zentren. Unternehmen sollten mit längeren Netzanschlusszeiten und strengeren regulatorischen Anforderungen rechnen.
Österreich
Österreich bietet einen zuverlässigen Standort mit niedrigen Latenzen und einer starken Verbindung zwischen Westeuropa sowie Mittel- und Osteuropa.
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